Software-Audit vor dem Kauf: Warum technische Due Diligence Ihr Investment schützt

Wer Software oder ein softwaregetriebenes Unternehmen kauft, kauft ein Versprechen: sauberer Code, klare Lizenzen, beherrschte Sicherheit. Ob dieses Versprechen hält, entscheidet sich nicht in der Verkaufspräsentation, sondern in den Abhängigkeiten, in der Architektur und in der Historie der Codebasis. Dieser Beitrag zeigt, warum eine technische Due Diligence vor Vertragsschluss Ihr Investment schützt — und worauf es dabei ankommt.

Technische Due Diligence und Software-Audit vor dem Kauf

Ein häufiges Muster: Ein Käufer verlässt sich auf die Zusicherungen des Verkäufers und die kaufmännische Prüfung. Die Software selbst wird nicht angesehen, weil „das zu technisch“ sei. Nach dem Kauf zeigt sich, dass der Kern unter einer Copyleft-Lizenz steht, kritische Bibliotheken seit Jahren nicht aktualisiert wurden und zentrale Funktionen von einem einzelnen, längst ausgeschiedenen Entwickler stammen. Der Preis war da bereits gezahlt.

Was eine technische Due Diligence leistet

Eine technische Due Diligence beantwortet drei Fragen: Was ist tatsächlich enthalten, welche Risiken trägt es, und was kostet die Behebung? Die Lizenzanalyse erstellt eine Software Bill of Materials und bewertet, ob Open-Source-Komponenten mit dem Geschäftsmodell vereinbar sind. Die Sicherheitsanalyse identifiziert bekannte Schwachstellen und strukturelle Schwächen. Die Wartbarkeitsanalyse bewertet Codequalität, Dokumentation und die Abhängigkeit von einzelnen Personen.

Dimension Leitfrage Konsequenz
Lizenzen Passt jede Komponente zum Modell? Copyleft kann Produkt gefährden
Sicherheit Welche Schwachstellen sind ausnutzbar? Nachbesserung als Preisfaktor
Wartbarkeit Kann ein neues Team übernehmen? Schlüsselpersonen-Risiko
Architektur Skaliert und trennt das System? Technische Schuld sichtbar machen
Betrieb Gibt es Updates und Prozesse? Versteckte Folgekosten

Der Wert dieser Prüfung liegt nicht nur im Aufdecken von Risiken, sondern in der Verhandlungsmacht. Ein dokumentierter Befund über veraltete Abhängigkeiten oder Lizenzprobleme ist ein sachliches Argument für Preisnachlass, Garantien oder Nachbesserungspflichten. Ohne Prüfung verhandeln Sie im Blindflug.

Der Sonderfall Open-Source-Lizenzen

Open Source ist selbstverständlich und wertvoll — aber nicht kostenlos im rechtlichen Sinn. Permissive Lizenzen wie MIT oder Apache stellen geringe Anforderungen. Copyleft-Lizenzen wie die GPL können hingegen verlangen, dass abgeleitete Werke unter denselben Bedingungen offengelegt werden. In einem vertriebenen, proprietären Produkt kann eine einzige falsch eingebundene Komponente das gesamte Geschäftsmodell in Frage stellen. Genau solche Effekte macht ein Audit sichtbar, bevor sie zum Problem werden.

Wir verbinden die technische Bewertung stets mit der rechtlichen Einordnung. Ein Befund allein hilft wenig; entscheidend ist, welche vertraglichen und wirtschaftlichen Konsequenzen daraus folgen. Wie wir dabei vorgehen, beschreiben wir im Detail unter Software-Audits & Code-Prüfung.

Wann sich die Prüfung lohnt

Eine technische Due Diligence lohnt sich immer dann, wenn der Wert oder das Risiko die Prüfkosten deutlich übersteigt: beim Kauf eines Softwareprodukts, bei der Abnahme einer Individualentwicklung, bei Investitionen und Übernahmen sowie vor großen Kundenausschreibungen. Die Kosten eines Audits sind in aller Regel ein Bruchteil der Folgekosten eines übersehenen Lizenz- oder Sicherheitsproblems.

Wo personenbezogene Daten im Spiel sind, greift die technische Prüfung nahtlos in die DSGVO-Compliance über. RA Dr. Henrik Vance empfiehlt Käufern, Prüfergebnisse früh in die Vertragsverhandlung einzubringen — als Grundlage für Garantien statt als nachträgliche Reklamation. Eine Übersicht über unser Vorgehen finden Sie in den Leistungen.

CodeKanzlei Digital & IT Law

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